Ohne Kriege ausgekommen

Interaktives Planspiel am Pictorius BK

Interaktives Planspiel am Pictorius-Kolleg. Weltpolitik spielend verstehen

Die Jahrgangsstufe 12 des Pictorius-Berufskollegs um Wirtschaftslehrer Martin Wortmann gastierte in der Freiherr-vom-Stein-Kaserne in Flamschen. Die Schülerin Tatjana Schulenkorff übernahm die Funktion der japanischen Wirtschaftsministerin Yosano.   
Von Sebastian El-Saqqa
Coesfeld.

 

„Die Soldaten haben gedacht, dass da ein paar eingebildete Abiturienten kommen, die alles besser wissen", lachte Martin Wortmann, Wirtschaftslehrer am Pictorius-Berufskolleg. Er begleitete das Projekt POL&IS, das in der Klasse zwölf der gymnasialen Oberstufe mit Schwerpunkt Gestaltungstechnik durchgeführt wurde. POL&IS (Politik & internationale Sicherheit) ist ein von der Bundeswehr durchgeführtes, interaktives Planspiel, das politische, ökonomische und ökologische Aspekte der internationalen Politik berücksichtigte.
 „Nach diesen drei Tagen haben beide Seiten gemerkt, wie normal sie doch sind", zog Wortmann ein durchweg positives Fazit. „Spielplatz" war die Freiherr-vom-Stein-Kaserne in Flamschen: Zusammen mit 20 Offiziersanwärtern des Artillerie-Aufklärungsbataillon 71 setzten sich die Schüler spielend mit der Weltpolitik auseinander.
Der zeitliche Ablauf der Simulation war in einzelne POL&IS-Jahre unterteilt, wobei jedes Jahr nach einem bestimmten Muster mit Phasen der Innenpolitik und Phasen der Außenpolitik ablief. Das Jahr begann mit der Aufstellung des Haushalts innerhalb der Region, der Festlegung des politischen Programms und der militärischen Strategie der jeweiligen Region. „Die verschiedenen Regionen wurden zu Beginn ausgelost. Arabien durfte nur von Männern regiert werden", sagte Nicklas Hoffmann, der als Wirtschaftsminister Scheich Jafred Marin Guhuri füngierte. Die Ausgangslage basierte aus dem Zustand der Jetztzeit. „Die Landwirtschaft und Industrie fehlte. Dagegen gab es Öl im Oberfluss", erklärte er.
Daraufhin wurden wirtschaftliche Investitionen getätigt und gleichzeitig konnten die Militärsteine auf der Karte bewegt werden. Nach einer kurzen innenpolitischen Beratung in der Region wurde an der Börse mit Gütern gehandelt und der Bedarf für die eigene Region eingekauft beziehungsweise der Überschuss der Produktion verkauft, während auf dem politischen Parkett Verträge zwischen den Regionen ausgehandelt wurden.
Die Ernte oder auch die Wetterbedingungen wurden zu Beginn eines POL&IS-jahres ausgewürfelt. „Daraufhin haben wir dann Maßnahmen getroffen und an der Börse spekuliert", erklärte Tatjana Schulenkorff, Japans-Wirtschaftsministerin Yosano, ihre Vorgehensweise. „Wenn die uns mal an die Macht lassen würden, wäre vieles anders", zwinkerte Schulenkorff bei der Projekt-Nachbesprechung mit den Streiflichtern. Daran schloss sich auch die Meinung von Franziska Boshardt an, die als Staatsminister von Nordamerika regierte. Afrika zum Beispiel war am Ende der Simulation nahezu schuldenfrei. „Wir sind während der ganzen Zeit ohne Kriege ausgekommen", war Marius Nortmann stolz auf das Ergebnis. Zum Abschluss wurde die Vollversammlung der Vereinten Nationen dargestellt, wo die jeweiligen Regierungen einen Überblick über das vergangene Jahr gaben.
„Das war mal etwas anderes als nur Theorie. Ich denke, dass die Schüler die Nachrichten nun aus einem anderen Blickwinkel betrachten", so Martin Wortmann. Der Wirtschaftslehrer ist sich sicher: Eine Fortsetzung des Projektes folgt...